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Zigarre in Österreich

Zigarrenland Österreich - Von der Wüste zu viel mehr Angebot im Humidor (21.07.2019 - 11:53:08}

Der Zigarrenmarkt in Österreich

Kapitel 6/10

 

Von der Wüste zu viel mehr Angebot im Humidor

 

Reinhold Widmayer, der aktuelle Herausgeber des Cigar Journals, war immer schon freier Journalist. Bevor er allerdings in die Welt der Zigarren-Fachmedien eintauchte, hatte er sich schon u.a. beim WirtschaftsBlatt Tabakthemen gewidmet. Es muss Anfang der 1990er Jahre gewesen sein, erinnert sich Widmayer, da habe das Thema Tabak plötzlich eine immer zentralere Rolle gespielt. Der „Cigar Aficionado" war mit seiner ersten Ausgabe am Markt. In der Schweiz hatte Daniel Eggli 1989 „Cigar" gegründet, das einzige Schweizer Magazin, das sich mit Tabak in seiner edelsten Form befasst. In Österreich war Helmut Rome vom Falstaff-Verlag mit dem „European Cigar Cult Journal" schneller als Widmayer, der selbst ähnliche Pläne gewälzt hatte.
Österreich sei damals, so Widmayer, „in Sachen Zigarre eine Wüste gewesen." Lediglich Heinz Schiendl, Generaldirektor bei der Austria Tabak, habe sich des Themas Zigarre später offensiv angenommen. Dies bestätigt auch ein Porträt von Isabella Benda (heute: Keusch), damals noch Redakteurin beim ECCJ, später dann für den Vertrieb von Davidoff in Österreich zuständig und heute Leiterin der Davidoff Academy, aus dem Jahr 2002:

 

„Genuss ist für mich Lebensschönheit", wird der genussfreudige Manager dort zitiert. Schiendl, eigentlich Zigarettenraucher, rauchte seine erste Zigarre im Rahmen einer Reise auf die Kanarischen Inseln im Jahr 1979. Es war Schiendl, der der österreichischen Zigarrenkultur die langersehnte Chance auf Entwicklung gegeben hatte. „Wir mussten zur Kenntnis nehmen", wird Schiendl zitiert, „dass ein immer größerer Teil der Zigarrenliebhaber seinen Bedarf im Ausland gedeckt hat, das war für mich nicht akzeptabel. Das Angebot in Österreich war zu diesem Zeitpunkt noch sehr bescheiden im Vergleich zu den Nachbarländern. Da gab es nur einen Ausweg: das Sortiment radikal erweitern."

 

Immerhin hat die Austria Tabak aber im April 1989 erstmals einen Zigarrenabend auch und ausschließlich für Frauen eingeführt. Mit dabei waren damals u.a. auch die Jazz-Gitti, Gerti Senger, Alexandra Hilverth, Eva Deissen, Maria Perschy, die Galeristin Heike Curtze, die Sängerin Judy Archer, Lotte Ledl und Jeannine Schiller sowie Ursula Haslauer, die damals noch bei der AZ arbeitete, später dann die Brüder Fellner von News bis Österreich begleitete.

 

Vor Schiendls Importoffensive, so erinnert sich Widmayer, gab es damals drei Premium-Zigarren: die Montecristo No.4, die Davidoff No.2 und die Siboney, die Cubatabaco exklusiv für Österreich produziert hatte (und die irgendwie als Imitation der Davidoff No.2 galt, wie viele damals meinten).
1990 fand im übrigen in Wien eine Weltausstellung zum Thema Tabak statt. Im Rahmen dessen organisierte die Austria Tabak ein internationales Zigarren-Round-Table. Teilnehmer dabei war u.a. auch Ad Wintermans von Agio Cigars, der Produzent der Balmoral. Ungefähr um diese Zeit fand auch das bereits neunte Zigarrenseminar für die Gastronomie statt - Schulungen für Gastronomen und ihre Mitarbeiter zum Thema Zigarre. Es war ein Phänomen dieser Zeit, dass man zwar weniger Zigarren verkaufte, dafür aber höherpreisige, sodass sich Absatz und wertmäßiger Ertrag auseinanderentwickelten - der eine sank, der andere legte zu. 1992 betrug die Wertzunahme immerhin 5 Prozent.

 

Im Bereich Raucherzubehör gab es damals neben der Firma Lichtblau auch noch andere Unternehmen wie etwa die Firma KP Plattner. Kaspar Plattner hatte auf der Frankfurter Messe die Vertretung der Firma Some Feuerzeuge erhalten. Anfangs wollten die Japaner die Bestellung sofort auf der Messe bezahlt haben. Natürlich ein unmögliches Unterfangen für Kaspar Plattner. Er hatte den Auftrag dennoch erhalten. Im Oktober kam die Lieferung und bis Weihnachten war alles verkauft. Die Bewilligung für den Großhandel mit Braunwaren besorgte sich Kaspar Plattner erst 1999. (Das Bild zeigt Markus und Kaspar Plattner zur 50-Jahr-Feier von Sarome im Jahr 1992.)

 

1992 hat auch Nancy Friedenthal, Vizepräsident des VCPÖ und Preisträgerin des Davidoff Golden Band Award - Legacy für das Lebenswerk, die Trafik von ihrem verstorbenen Vater übernommen. Schon im Folgejahr wurde der Westbahnhof in Wien erstmals umgebaut. Als „Ausweichquartier" hatte sich Friedenthal damals einen „Zirkuswagen" der Austria Tabak gemietet. 1994 übersiedelte sie in einen größeren Standort in die Kassenhalle des Westbahnhofs.

 

Dort standen mir 50 Quadratmeter zur Verfügung. Das Hauptgeschäft waren damals kleine Stofftiere und Souvenirs. Dagegen wetterte aber die Monopolverwaltung, die auf den Charakter des Tabakfachgeschäftes pochte. Wir haben also den Verkauf von Stofftieren eingestellt, weil sie auch nicht im Nebenartikelkatalog gestanden sind. Wir hatten auch die Idee eines Nachtverkaufes, so mit geschlossenen Fenstern wie bei Apotheken, damit der Kunde erst gar nicht ins Geschäft hinein kann. Das wurde aber auch nicht umgesetzt.

 

Bilder unten: Nancy Friedenthal mit Carlos Andres (li.), der Kiosk am Westbahnhof (re.)

 

1992 führte die Austria Tabak parallel zu den Davidoff-Marken die „Zino Drie" ein (drie= drei auf holländisch). Die „Zino"-Serie hatte Zino Davidoff gemeinsam mit Ernst Schneider schon früher entwickelt. 1992 aber wurde erstmals einer Lizenzproduktion in Fürstenfeld zugestimmt. Die „Zino drie" ist eine vollaromatische Zigarre im Corona Grande Format. Das Deckblatt bestand aus handverlesenem Sumatra-Tabak, die Umlage aus aromatischem Java. Für die Einlage komponierte der Zigarren-Zar Davidoff mit den Blendern der Austria Tabak eine feine Mischung aus Havanna-, Java-, Brasil- und Domingo-Tabaken. Anders als die Zigarren der Austria Tabak sind die Zino-Zigarren nicht rauchfertig - sie müssen vom Konsumenten erst angeschnitten werden. Dazu führte die Firma Lichtblau, die Austria-Tabak-Tochter, ein reichhaltiges Sortiment an Schneidern und Scheren. Jede Zigarre wird in einer Alufolie frischgehalten, ist außen beringt und wurde zu 5 Stück in einer eleganten Schieberhülsenverpackung verkauft. Der Einzelpreis pro Stück betrug damals 40,- Schilling. Schon in den ersten beiden Wochen wurden über 10.000 Stück der „Zino Drie" verkauft. Ein erstaunlicher Erfolg, bedenkt man, dass damals weltweit der Zigarrenabsatz mengenmäßig rückläufig war. In Österreich bezifferte man das Minus mit 3,11 Prozent. Wertmäßig steigerte sich der Umsatz allerdings um 5 Prozent.

Im Bereich Raucherzubehör gab es damals neben der Firma Lichtblau auch noch andere Unternehmen wie etwa die Firma KP Plattner. Kaspar Plattner hatte auf der Frankfurter Messe die Vertretung der Firma Some Feuerzeuge erhalten. Anfangs wollten die Japaner die Bestellung sofort auf der Messe bezahlt haben. Natürlich ein unmögliches Unterfangen für Kaspar Plattner. Er hatte den Auftrag dennoch erhalten. Im Oktober kam die Lieferung und bis Weihnachten war alles verkauft. Die Bewilligung für den Großhandel mit Braunwaren besorgte sich Kaspar Plattner erst 1999.

Und das alles vor dem Hintergrund einer weltweiten Umstrukturierungsphase in der Zigarrenindustrie. Klassische Zigarrenländer wie Belgien/Luxemburg, Dänemark, die Schweiz oder die USA mussten Mengenrückgänge zwischen 4,4 und 6,7 Prozent hinnehmen. Österreich profitierte von einem Trading-up hin zu Qualitätszigarren und machte im Jahr 1991 inklusive Exporte einen Umsatz von 152,4 Millionen Schilling. Das freute letztlich auch den Fiskus, denn alleine die Zigarre brachte 1991 20 Millionen Schilling an Tabaksteuer und noch einmal so viel an Umsatzsteuer. Die Trafikanten verdienten in diesem Jahr rund 24 Millionen Schilling an Handelsspanne. Für die Austria Tabak erwirtschaftete die Zigarre immerhin 2,6 Prozent des gesamten Nettoerlöses.
Importzigarren gab es 1993 noch nicht wirklich in Österreich, meint Widmayer. Noch bestimmte und herrschte die ATW.


Am 14.1.1994 war Zino Davidoff - zwei Monate vor Vollendung seines 88.Geburtstages (im Bild oben mit Dr. Erich Schneider - gestorben. Der Kurier widmete in der Ausgabe vom 18.1. einen großen Artikel „dem bewegten Leben für den luxuriösen blauen Dunst". Darin wird Davidoff aus Anlass seines 85.Geburtstages zitiert: „Ich rauche seit meinem zwölften Lebensjahr und werde weiterhin rauchen." Der Mann „mit den Zügen eines Karstgebirges" (so der Kurier) starb an einer Krankheit.
Die Firma Oettinger Davidoff hat freundlicherweise folgendes Video zur Verfügung gestellt:

 

 Das Video an dieser Stelle benötigt den Adobe Flash Player 000bc783-00000289 ODAG_thank_you_zino_german.mp4

 

Ende April 1994 war es zu einem Zigarrengipfel der Austria Tabak gekommen. Es ging darum, sich Strategien zu überlegen, wie man den Standort Fürstenfeld retten konnte. Die Liberalisierung im Zuge des EU-Beitritts machte Druck, die Gesellschaft war zigarrenfeindlich, der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich lag bei lediglich 4 Zigarren im Jahr.
Im Juli 1994 erweiterte die Austria Tabak die Genehmigung zum Führen von Importmarken für alle österreichischen Trafiken. Bislang war dies ja ein Exklusivrecht für einige wenige. Der Anteil der Importmarken betrug um diese Zeit etwa 2,43 Prozent am Gesamtabsatz der Zigarren. Das Havanna-Sortiment trug einen Umsatz von 6,1 Millionen Schilling bei.
1994 - am Vorabend des EU-Beitritts: der heimische Zigarrenmarkt stand vor einer erwartbaren Belebung. Dazu trugen einerseits die ausländischen Produzenten von Zigarren bei, die sich die neue Situation zunutze machen wollten, wie die Österreichische Tabakzeitung anmerkte.
Erwähnt wurden damals u.a. die Firma Villiger, Henri Wintermans und Nobel Cigars. Ein zweites Argument für einen in Hinkunft attraktiveren Zigarrenverkauf lieferte die Erhöhung der Handelsspanne für selbständige Trafikanten von 15,01 auf 31,65 Prozent. Diese Neuregelung der Handelsspanne bedeutete eine Anpassung an die Situation bei der Zigarre in der EU, insbesondere in Deutschland. Bisher gab es für Trafikanten für Eigenproduktionen der Austria Tabak sowie Lizenzerzeugnisse eine Handelsspanne von 15,42 Prozent, für Importfabrikate lag die Spanne bei 9,75 Prozent. Zusammen mit der Regelung, dass nun alle Trafikanten die Importzigarren ins Sortiment nehmen durften und der Perspektive, dass die Austria Tabak eine Reihe von neuen Produkten ins Sortiment aufnehmen würde, wodurch sich das gesamte Angebot erweitern würde, schienen die Aussichten für das Geschäft mit Zigarren schlagartig verbessert.
Diese Aussichten führten in der Folge auch zur Gründung von privaten Zigarrenclubs. Der erste, in Österreich gegründete Zigarrenclub, wurde in Hohenems, in Vorarlberg, bereits im Jahr 1993 gegründet. Mitinitiator war u.a. der damalige Landesgremialvorsteher Norbert Bischof. Er rief in der Folge auch die anderen Bundesländer auf, solche Zigarrenclubs zu gründen, die eine gute Gelegenheit wären, Konsumenten auf die Zigarre aufmerksam zu machen. Der Hohenemser Zigarrenclub hatte 270 Mitglieder!
Hans Fürst, der Leiter der Fabrik in Fürstenfeld, zeigte sich gegenüber der Österreichischen Trafikantenzeitung optimistisch, was die Wettbewerbssituation mit den neuen Anbietern betrifft. Man sei von der Qualität her sehr gut aufgestellt und werde sich nun um die Trafikanten bemühen sowie auch den Export von Zigarren ankurbeln. Schon bisher lag die Exportquote zwischen 5 und 10 Prozent der Gesamtproduktion.

 

Davor aber kam es im Rahmen der Tabexpo im Oktober 1994 in Wien zu einem internationalen Zigarren-Kolloquium, an dem mehr als 100 Fachleute aus der ganzen Welt teilgenommen hatten. Zigarrenerzeuger- und händler, Rohtabakspezialisten, Maschinenhersteller und Zulieferer diskutierten über die Perspektiven der Branche. Vor allem aufgrund der Chancen der Qualitätszigarre konnte man dabei den Eindruck gewinnen, dass - so berichtete die ÖTZ - die Zukunft der Zigarre durchaus optimistisch zu sehen war. Immerhin hatte die Nachfragekrise der letzten Jahre wohl in vielen Ländern schon die Talsohle erreicht. Überzeugt zeigte man sich, dass die Mechanisierung der Zigarrenerzeugung ihre Grenzen hat, und die Zigarrenindustrie auch künftig arbeitsintensive Handarbeit bleiben werde. Aus Berichten von Referenten ging hervor, dass sich der Zigarrenkonsum in den USA, in Großbritannien und Frankreich bereits wieder stabilisiert hatte. Deutschland hingegen hatte noch immer mit einem leichten Rückgang zu kämpfen.
Für die Vermarktung zog man den Schluß, dass dem Tabakwarenfachhandel besondere Bedeutung zukommt. Immerhin ist die Zigarre ein beratungsintensives und kein vorgefertigtes Produkt. Gleichzeitig verlangt die Zigarre viel Know-how beim Handling. Um Zigarren erfolgreich verkaufen zu können, braucht es Humidore, die eine gleichbleibende Qualität garantieren.
Statistisch gesehen wurden damals in Europa rund 6 Milliarden Stück Zigarren geraucht. Der Anteil der Havanna-Zigarren lag bei etwa 80 Millionen Stück. Politische Restriktionen und Belastungen lassen nicht erwarten, dass der Druck auf die Erzeuger nachlassen werde.

 

1995 trat Österreich der Europäischen Union bei. hat in seiner Sonderedition Das Magazin, die im Frühjahr 2018 erschienen ist, diesen Übergang folgendermaßen beschrieben:

 

Schon 1994 war ein Jahr der ganz großen Umwälzungen. Schließlich musste der Vollbeitritt Österreichs zur Europäischen Union vorbereitet werden. Und da gab es eine Reihe von Auswirkungen auf das bis dahin geltende Tabakmonopol. Zum einen mussten das Großhandels- und das Importmonopol der Austria Tabak umgeformt werden. Tabaksteuer und Zölle mussten an die europäischen Mindestsätze angeglichen und die Werbung für ausländische Produkte freigegeben werden.
Das Produktionsmonopol widersprach nicht dem Beitrittsvertrag, durfte also beibehalten werden. Für das Ende des Importmonopols wurde eine dreijährige Übergangsfrist bis 1998 gewährt - mit jährlich steigenden Kontingenten für Austria Tabak von 15, 40 bzw. 70 Prozent -, sodass eine hundertprozentige Importfreigabe erst 1998 in Kraft trat. Aufgehoben wurde die Beschränkung des Verkaufs. Waren es bis dahin nur 1.900 lizensierte Trafiken, die Importware verkaufen durften, gab die Austria Tabak dies schon im Juli 1994 an alle 10.121 Trafiken (Fachgeschäfte und Verkaufsstellen) frei. Keine Übergangsregelungen galten bei den Handelsspannen. Auch für Importwaren galten ab 1.1.1995 die (höheren) österreichischen Spannen. Das Großhandelsmonopol musste ebenfalls umgeformt werden. Austria Tabak, schon seit einiger Zeit bei tobaccoland Deutschland Miteigentümer, gründete die tobaccoland Österreich als eigenständige Gesellschaft, die dann auch die vollständige Logistik übernahm. Verlage durfte es nicht mehr geben. Austria Tabak forcierte die Übernahmeverhandlungen. Dadurch konnte eine gute Vertriebsstruktur aufgebaut werden. Sechs Verkaufsleitungen und acht Lieferlager standen anfangs zur Verfügung. Das Einzelhandelsmonopol blieb unangetastet. Einzige Veränderung: die Bestellung von Trafikanten musste nach einer einjährigen Übergangszeit, also ab 1996, von einer „neutralen Stelle", entweder von einem Ministerium oder einer einem Ministerium unterstellten ausgegliederten Gesellschaft erfolgen.

 

Dass sich Austria Tabak schon frühzeitig auf das Ende ihres Monopols vorbereitet hatte, zeigt die Tatsache, dass 1994 der Anteil des Monopolgeschäftes mit Tabakwaren nur mehr 17,6 Prozent am Gesamtnettoumsatz ausmachte. (Das war jene Zeit, als Generaldirektor Mauhart die unglückselige „Sports Division" integrierte.) In der neuen Organisationsstruktur von Austria Tabak war u.a. Hagen von Wedel als Produktmanager für Zigarren und Rauchtabake zuständig.
Im Jänner 1995 berichtete die Österreichische Trafikantenzeitung im übrigen auch über das neu gegründete Cult-Cigar Journal. Dahinter standen Falstaff-Chefredakteur Dr.Helmut Rome und Hans Dibold. „Mit unserem neuen internationalen Magazin wollen wir zur Förderung der Zigarrenkultur und des Zigarrerauchens sowie der Rauchkultur insgesamt beitragen und über Zigarren eine umfassende Information bieten", erklärte Rome bei der Gründungsveranstaltung im November 1994. Das Magazin wurde in einer Auflage von 6.000 Stück über eine sehr große Anzahl an Trafiken den Zigarrenfreunden nahegebracht. Die anfängliche Gesamtauflage betrug 30.000 Stück und sollte laut Rome bis Ende 1995 auf 50.000 Exemplare steigen.
Die Erstausgabe des Cult-Cigar-Journal trug noch den Untertitel „Das Falstaff-Magazin für Rauchkultur", der sich schon bei der zweiten Ausgabe (März 195) zu „Das internationale Magazin für Rauchkultur" wandelte. Themen in Heft 1 waren u.a.: Der Mythos Havanna, Tips zum Umgang mit Zigarren, Humidore wurden vorgestellt, Sebastian Zimmel porträtierte die Virginier, daneben eine Huldigung an die Cohiba, Erläuterungen, was die EU dem (österreichischen) Zigarrenfreund bringen werde, eine umfangreiche Liste der Premium-Zigarren im Sortiment der Austria Tabak, Hinweise auf zigarrenfreundliche Restaurants in Österreich und Deutschland sowie die Vorstellung der Petrus-Zigarre, die erste aus Honduras.

 

Eine der ersten internationalen Unternehmensgruppen aus der Tabakbranche, die sich in Österreich vorstellten, war die Burger-Dannemann-Gruppe, zu der auch die Ritmeester Zigarren gehörten. Ihr Markanteil damals: 25 Prozent.
Es folgte eine Davidoff-Präsentation anlässlich eines Zigarren-Galadinners des Cult-Cigar-Journals. Der damalige Davidoff-Direktor Raymond Scheurer betonte einmal mehr, dass Davidoff ein qualitätsorientiertes und kein preisorientiertes Konzept verfolge.
Es würden qualitativ hochwertige Tabake verwendet. Einlage, Umblatt und Deckblatt müssten den höchsten Ansprüchen genügen. Dazu kontrolliere Davidoff den gesamten Werdegang einer Davidoff-Zigarre - von der Tabakpflanze bis zum ausgelieferten Kistchen. Neu für Österreich wurden für Juli 1995 die Davidoff Mini-Cigarillos und die Mini-Cigarillos light angekündigt. Zum damaligen Zeitpunkt waren dies zwei absolute Bestseller im Verkaufsranking. Die Firma Davidoff selbst schrieb darüber: „Die Tabakmischungen für Mini Cigarillos und Mini Cigarillos light sind einzigartig und unerreicht. Es werden nur die wertvollsten indonesischen Zigarrentabake verwendet. Daraus resultiert das bekannte und beliebte Davidoff-Aroma. Die Mischung der Mini Cigarillos light ist bewußt mild, aber aromatisch gehalten. Der sehr gehaltvolle Mini Cigarillo wird vor allem durch die Beimischung von Tabaken aus dem karibischen Raum geprägt."

 

Die Liberalisierung des Großhandels wurde von Trafikanten mit großem Aufatmen begrüßt. Nancy Friedenthal erinnert sich (im Bild li. mit Avo Uvezian):

 

Die Zigarrenfassung zu Zeiten der Austria Tabak war geprägt davon, dass man einen Freund an der Ausgabekassa benötigt hatte, damit einem begehrte Zigarren auf die Seite gelegt wurden, dafür schenkte man ihm eine Kleinigkeit. Ich hab das nie gemacht. Die Quinteros Nacionales waren damals sehr beliebt und auch die Jose Piedra - da gab es einmal nur 3 Gebinde davon und ich wollte die alle haben, als man mir beschied, dass auch andere was haben wollten. Also bekam ich nur ein Gebinde. Erst als Karl Gruber dann Lagerleiter wurde, hat er diesem Treiben ein Ende gesetzt. Das Verhältnis der Austria Tabak zu den Trafikanten war damals generell recht überheblich. Wenn eine vereinbarte Bestellung nicht am Liefertag gekommen war, dann hatte man halt einfach Pech. Ich habe mir dann übers Wochenende bei Kollegen wie etwa Wolfgang Wasinger Zigarren ausgeborgt. Sonst hätte ich keine Ware für meine Kunden gehabt.

 

Ein Schweizer Zigarrenfabrikant hegte große Hoffnungen für einen neuen Aufschwung für qualitativ hochwertige Zigarren - Heinrich Villiger. Villiger gehörte damals zu den 15 bedeutendsten Herstellern in Europa. Während seine Gruppe in Deutschland mit einem Marktanteil von 18 Prozent zu den Top 3 zählte, in der Schweiz als Marktführer sogar 40 Prozent Marktanteil vereinte, war Villiger in Österreich lediglich mit der Export und der Curly vertreten. Eine stärkere Marktpräsenz in Österreich sollte die Einführung der Villiger Kiel Mild einläuten. Heinrich Villiger war stolz darauf, dass sein Unternehmen das exportstärkste in der Branche sei. 70 Länder zählten schon damals zu seinen Absatzmärkten. Schon 1989 hatte Heinrich Villiger mit seinen kubanischen Freunden ein Joint-Venture zum Import und Vertrieb von Havanna-Zigarren gegründet - die 5th Avenue Products Trading GmbH, die 2019 ihr 30-jähriges Jubiläum feiert.
5th Avenue ist der offizielle Exklusiv-Importeur von Havannas und vertreibt daneben auch noch handgerollte Longfiller aus der Dominikanischen Republik, Honduras und Nicaragua. Dass Villiger die Perspektiven für qualitativ hochwertige Zigarren hoch einschätzt, ist auch auf sein Engagement in diesem Bereich zurückzuführen. Villiger zählte damals zu Europas größten Importeuren von hochwertigen Havanna-Rohtabaken. Er produzierte damit in Lizenz u.a. Zigarillos der kubanischen Marken San Luis Rey und Romeo y Julieta.

 

Aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums produziert 5th Avenue in lockerer Folge eine Artikelserie zu kubanischen Zigarrenmarken. Die ersten Artikel zuden Marken H.Upmann, Montecristo und zur Romeo y Julieta finden Sie hier.

 

Es war die Zeit der schrittweisen Erweiterung des Sortiments. Alles aber noch unter der Ägyde der Austria Tabak, die für ihren Großhandel eine dreijährige Übergangsfrist zugestanden bekommen hatte. Aber immerhin gab es erste Studienreisen. Etwa nach Veenendaal südlich von Amsterdam, wo Ritmeester produziert wurde. Die Marke wies damals schon eine 80 Jahre alte Tradition auf, ihr Aufschwung hatte aber ursächlich mit der Übernahme durch die Burger/Dannemann-Gruppe im Jahr 1989 zu tun, wodurch sich die Produktion durch Rationalisierungsmaßnahmen großteils auf Zigarillos konzentrieren konnte.
Als aufstrebende Marke in Österreich galt auch die J.Cortes, deren Varianten Mini und Grand Luxe im Sommer 1995 in Österreich eingeführt wurden. Die Marke aus dem Hause Vandermarliere in Belgien machte nicht nur durch ihre Zusammensetzung aus hochwertigen Tabaken von sich reden, sondern auch durch eine wunderbar ästhetische tiefblaue Verpackung.
Neu eingeführt wurde auch die Petrus-Zigarre von der Firma „Cigars of Honduras". Die Tabake für die Petrus-Zigarre stammten aus dem Copan-Tal, wo ähnliche klimatische Bedingungen herrschten wie im kubanischen Pinar del Rio. In Österreich präsentierte man 1995 die Petrus No.IV als Corona und die Petrus No.II.

 

Mit der Vielfalt im Humidor tauchte aber gleichzeitig ein Problem auf, mit dem das Zigarrenland Österreich bisher nicht konfrontiert gewesen war: die Preispolitik. Wie gesagt -die Preise bestimmten die Lieferanten. Die Klagen aus der Trafikantenschaft häuften sich. „Wir könnten viel mehr verkaufen, wenn die Zigarren und Zigarillos nicht so teuer wären", hieß es da.
Die Konkurrenz stellten dabei vor allem die grenznahen deutschen Geschäfte dar sowie die Duty-Free-Shops, wo Zigarren um einiges billiger waren als hierzulande.
Die ausländischen Zigarrenproduzenten argumentierten dagegen. In Österreich entfalle 98 Prozent des Tabakwarenumsatzes auf Zigaretten. Zigarren und Zigarillos hätten jeweils nur ein Prozent, was eine Kalkulation sehr knapp mache. Darüber hinaus gäbe es seit 1.1.1995 mit 31,65 Prozent (inkl. MwSt.) die in Europa höchste Spanne für Trafikanten. Würde man also Zigarren billiger machen, dann müssten Trafikanten deutlich mehr Volumen verkaufen, um die bisherigen Erträge zu erreichen. Das sei schwierig, weil Österreich nun mal kein traditionelles Zigarrenland sei. Und was die Vergleiche mit Deutschland betraf, so argumentierte der damalige Geschäftsführer von tobaccoland, Robert Lachner, mit der unterschiedlichen Besteuerung. In Deutschland liegt die Tabaksteuer für Zigarren bei 5 Prozent, in Österreich bei 13 Prozent. Die Chancen einer Belebung der Nachfrage durch Senkung der Preise beurteilt Lachner allerdings sehr skeptisch.

 

Zum Abschluß eine kleine, nette Anekdote aus den Erinnerungen von Silvia Reisenberger, Trafikantin in Gallneukirchen und Mitglied im VCPÖ:

Unser Herr Pfarrer in Gallneukirchen war ein Belgier. Wenn er Zigarren wollte, dann fragte er immer nach „Weihrauch". Auf dem Bild gustierte er im Zigarrenkistl von Austria Tabak - mit Falstaff und Mozart.

 

1 ATI 1992, Heft 1
2 ATI 1992, Heft 4
3, 4 ÖTZ 12/1994
5, 7 ÖTZ 1/1995
6 Sonderedition Das Magazin www.allestabak.net, Zum Besonderen der Bedürfnisse des Staates, 208 Seiten, Wien 2018
8  ÖTZ 5/1995
9  ÖTZ 6/1995
10 ÖTZ 6,7,9/1995
11 ÖT 10/1995

Bilder: KP Plattner, Davidoff of Geneva, Nancy Friedenthal, ÖTZ, Silvia Reisenberger, Helmut Spreitzer

 

 


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